Ponke Urban
| Friedberger Gemeindeseite

Blindenampel ist Pilotprojekt

Kreuzung an der Münchner-/Aichacher Straße jetzt behindertengerecht ausgebaut

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Zufriedene Gesichter beim Pressetermin: (von links) Gerd Schopp, Mitglied des Landesvorstandes des BBSB (stehend) mit Josef Koppold, dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Aichach-Friedberg, und Fabian Sattich, dem Leiter des Stammtisches für Sehbehinderte Menschen im Landkreis. Foto: rotp

Zufriedene Gesichter beim Pressetermin: (von links) Gerd Schopp, Mitglied des Landesvorstandes des BBSB (stehend) mit Josef Koppold, dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Aichach-Friedberg, und Fabian Sattich, dem Leiter des Stammtisches für Sehbehinderte Menschen im Landkreis. Foto: rotp

Friedberg (rotp) | Die Kreuzung an der Münchner- und Aichacherstraße beim Gasthof Linde in der Friedberger Innenstadt ist nun behindertengerecht ausgebaut worden. Denn es gibt mehr blinde bzw. sehr schlecht sehende Menschen in der Herzogstadt als man immer denkt. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass die Stadt sich hier eingesetzt hat und dies nun realisiert wurde: ein Pilotprojekt für viele andere Gemeinden und Städte im Landkreis.
Es gab eine Stimme, die meinte, dieser Aufwand wäre nicht nötig gewesen. Es sei doch nur „ein Blinder“, der hier jeden Tag über die Straße gehe. Dass dies nicht stimmt und es viel mehr Blinde und Sehbehinderte in der Region gebe, darüber sind sich die Friedberger Fabian Sattich, Leiter des Stammtischs sehbehinderter Menschen im Landkreis Aichach-Friedberg, und Gerd Schopp, Mitglied im Landesvorstand des BBSB (Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes), einig. Deshalb initiierten einen Pressetermin, um sich gegen die Rede von „dem einen Blinden“ zu wehren, für den die Kreuzung der Äußeren Ludwigstraße umgebaut worden sei. Begleitet von einigen Blinden und Sehgeschädigten zeigten sich die Vertreter der Behindertengruppe sehr zufrieden mit dem Umbau, der die Stadt 180.000 Euro gekostet hat und im Rahmen eines Förderprogramms möglich gemacht wurde. Der Behindertenbeauftragte des Landkreises Josef Koppold, selbst Rollstuhlfahrer und an den Planungen intensiv beteiligt, lobte die Verantwortlichen der Stadt für die gute Zusammenarbeit.
Mit Signalen und
weißen Linien sicher über die Hauptstraße
Es ist schon einige Zeit her, da hatten sich die Anwohner gegen eine Blindenampel gewehrt, weil der Ton zu laut war. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Ton wird bei der neuen Lösung nach Verkehr und Lautstärke um die Ampel herum geregelt. Ist es leise, so ist auch der Ton leiser und umgekehrt. „Das ist ein sehr modernes und ausgeklügeltes System“, so Bürgermeister Roland Eichmann. Nun gebe es auch mit den Bewohnern keine Probleme mehr. Um 22 Uhr wird der Ton zudem ganz abgeschaltet. Zur Querung der Kreuzung gibt es kein Kopfsteinpflaster mehr, dafür wurden leuchtend weiße Rillen angelegt. Für Sehbehinderte ist dieser Kontrast sehr wichtig. Hier in Friedberg wurde diese Lösung zum ersten Mal umgesetzt. Für den Landkreis Aichach-Friedberg ist dies ein Pilotprojekt. Das Besondere an dieser Kreuzung sind die Ebenen, die man mit dem Blindenstock erspüren kann. Seit 2013 gibt es neue Normen mit einer differenzierten Bordhöhe, das heißt Menschen mit einem Stock haben sechs Zentimeter zur Verfügung. Nebenan gibt es eine Nullabsenkung, damit auch die Rollstuhl- und Rollatorfahrer bequem über die Kreuzung kommen. Aber aufgepasst: Das ist kein Radweg. Viele verwechseln das und fahren genau hier mit ihrem Rad, so dass für die Behinderten kein Platz mehr ist. Aber mit der Zeit werden sich auch diese Missverständnisse geben.
Für Barrierefreiheit müsse man in Bayern immer kämpfen, so Gerd Schopp. Die Prozesse seien hier sehr langwierig. Der Wunsch der blinden und behinderten Menschen in Friedberg ist es nun, dass auch die Bahnhofstraße im Rahmen der Neugestaltung eine solche Lösung bekommen soll. Eichmann ist sicher, dass im Rahmen des Gesamtkonzepts für diese Straße eine für alle gute Umsetzung gefunden wird. „Es ist im Stadtrat unumstritten, diese Lücken zu schließen“, so Eichmann. Die behinderten Menschen wären ihm auf alle Fälle sehr dankbar und hoffen auf eine einvernehmliche Lösung.